40 Billionen Dollar Schulden – und ein Trick, den die USA schon einmal genutzt haben
Diese Woche hat die US-Staatsschuld erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Genau diese Frage wurde den USA schon einmal gestellt – 1946. Was damals wirklich geschah, hat der IWF 2024 nachgerechnet.
Wie die USA aus 106 % Schuldenquote herauskamen – angeblich
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die US-Staatsschuld bei 106 % des Bruttoinlandsprodukts – der höchste je gemessene Wert. Die Fed hatte bereits 1942 die langfristigen Zinsen künstlich bei 2,5 % gedeckelt und agierte in dieser Zeit weniger als unabhängige Notenbank, sondern eher als verlängerter Arm des Finanzministeriums. Gleichzeitig zog die Nachkriegsinflation an und erreichte 1947 rund 14 %. Wer damals Staatsanleihen hielt oder sein Geld auf der Bank liegen ließ, kassierte nominal 2,5 % Zinsen – verlor real aber Jahr für Jahr Kaufkraft. Erst 1951, mit dem Fed-Treasury Accord, wurde der Zinsdeckel offiziell aufgehoben.
Bis 1974 war die Schuldenquote von 106 auf 23 % gefallen. Jahrzehntelang galt das als Beleg für die heilende Kraft von Wirtschaftswachstum.
Nicht Wachstum hat die Schulden geschrumpft – sondern die Sparer haben gezahlt
Eine Studie zweier IWF-Ökonomen (Julien Acalin und Laurence Ball, IWF Working Paper 2024/005) hat diese Erzählung neu berechnet. Ihr zentrales Ergebnis: Ohne die künstlich gedrückten Realzinsen und die überraschend hohe Inflation der Nachkriegsjahre wäre die Schuldenquote bis 1974 lediglich auf etwa 74 % gefallen – nicht auf 23 %. Der Löwenanteil des Rückgangs stammte also aus einer Kombination von Primärüberschüssen, gedeckelten Zinsen und höherer Inflation als erwartet – in der Ökonomie als finanzielle Repression bezeichnet. Die Schulden selbst sind in absoluten Dollarbeträgen in dieser Zeit nie gesunken; es waren die Preise und Einkommen, die schneller wuchsen als der Schuldenberg. Bezahlt hat diese Rechnung am Ende, wer sein Geld in festverzinslichen Anlagen oder auf dem Sparkonto geparkt hatte.
Die Werkzeuge haben sich geändert, die Funktion nicht
Am 19. August 2026 kündigte das US-Finanzministerium an, seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen deutlich auszuweiten – von zuvor rund 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation, ab dem 9. September 2026. Noch am selben Tag fiel die Rendite der 30-jährigen Anleihe von 5,26 % auf bis zu 5,18 % zurück. 1942 war es die Fed, die mit einem Zinsdeckel die langfristigen Zinsen künstlich niedrig hielt. Heute ist es das Finanzministerium selbst, das mit gezielten Rückkäufen in dieselbe Richtung wirkt. Historisch wurden große Staatsschulden selten im eigentlichen Sinne zurückgezahlt – meist wurden sie gestrichen oder über Zeit weginflationiert. Die Last verschwand dabei nie wirklich, sie wurde nur verschoben: auf diejenigen, die ihr Vermögen in nominal fixierten Werten hielten.
Große Gläubiger scheinen diese Geschichte zu kennen – Chinas anhaltende Goldkäufe lassen sich auch als Versuch lesen, nicht erneut auf der Verliererseite zu stehen. In Phasen, in denen Geld an Wert verliert, verschiebt sich Vermögen tendenziell in Anlagen, deren Angebot nicht beliebig vermehrbar ist. Dazu zählen klassisch Gold und Silber – und, mit denselben Grundeigenschaften begrenzten Angebots und laufender Erträge, eine gut strukturierte Kapitalanlage-Immobilie: etwa mit Denkmal-AfA nach §7i EStG oder als Pflegeimmobilie als Kapitalanlage. Mehr zum Zusammenhang zwischen Notenbank-Anleihenkäufen und Kaufkraftverlust auch in unserem Beitrag zu Japans 13-jähriger Erfahrung mit finanzieller Repression.
"Kaum ein Beispiel, dass Staaten hohe Schulden je fair zurückgezahlt haben"
Schon 1776 schrieb Adam Smith, dass es kaum ein Beispiel dafür gebe, dass Staaten hohe Schulden jemals vollständig und fair zurückgezahlt hätten. Die Befreiung komme fast immer über eine Form der Zahlungsunfähigkeit – manchmal offen erklärt, meist aber getarnt hinter dem Anschein regulärer Rückzahlung. 40 Billionen Dollar später ist dieses Beispiel, das Smith suchte, noch immer nicht gefunden.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die US-Staatsschuld aktuell?
Was ist finanzielle Repression?
Ist die USA schon einmal so aus hohen Schulden herausgewachsen?
Was macht das US-Finanzministerium aktuell mit den Anleihenkäufen?
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Eigene Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Berichte (u. a. Reuters, CNBC, Bloomberg, IWF Working Paper 2024/005 von Acalin & Ball) und aktueller Aussagen von Scott Bessent, Stand 21. August 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.
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