Marktkommentar · 23. August 2026

40 Billionen Dollar Schulden – und ein Trick, den die USA schon einmal genutzt haben

Diese Woche hat die US-Staatsschuld erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Genau diese Frage wurde den USA schon einmal gestellt – 1946. Was damals wirklich geschah, hat der IWF 2024 nachgerechnet.

1946: der erste Rekord

Wie die USA aus 106 % Schuldenquote herauskamen – angeblich

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die US-Staatsschuld bei 106 % des Bruttoinlandsprodukts – der höchste je gemessene Wert. Die Fed hatte bereits 1942 die langfristigen Zinsen künstlich bei 2,5 % gedeckelt und agierte in dieser Zeit weniger als unabhängige Notenbank, sondern eher als verlängerter Arm des Finanzministeriums. Gleichzeitig zog die Nachkriegsinflation an und erreichte 1947 rund 14 %. Wer damals Staatsanleihen hielt oder sein Geld auf der Bank liegen ließ, kassierte nominal 2,5 % Zinsen – verlor real aber Jahr für Jahr Kaufkraft. Erst 1951, mit dem Fed-Treasury Accord, wurde der Zinsdeckel offiziell aufgehoben.

Bis 1974 war die Schuldenquote von 106 auf 23 % gefallen. Jahrzehntelang galt das als Beleg für die heilende Kraft von Wirtschaftswachstum.

106 %US-Schuldenquote 1946
23 %Tatsächliche Quote 1974
74 %IWF-Gegenrechnung ohne Repression
40 Bio. $US-Schuld, Stand 19.08.2026
Was der IWF 2024 wirklich herausfand

Nicht Wachstum hat die Schulden geschrumpft – sondern die Sparer haben gezahlt

Eine Studie zweier IWF-Ökonomen (Julien Acalin und Laurence Ball, IWF Working Paper 2024/005) hat diese Erzählung neu berechnet. Ihr zentrales Ergebnis: Ohne die künstlich gedrückten Realzinsen und die überraschend hohe Inflation der Nachkriegsjahre wäre die Schuldenquote bis 1974 lediglich auf etwa 74 % gefallen – nicht auf 23 %. Der Löwenanteil des Rückgangs stammte also aus einer Kombination von Primärüberschüssen, gedeckelten Zinsen und höherer Inflation als erwartet – in der Ökonomie als finanzielle Repression bezeichnet. Die Schulden selbst sind in absoluten Dollarbeträgen in dieser Zeit nie gesunken; es waren die Preise und Einkommen, die schneller wuchsen als der Schuldenberg. Bezahlt hat diese Rechnung am Ende, wer sein Geld in festverzinslichen Anlagen oder auf dem Sparkonto geparkt hatte.

Und heute?

Die Werkzeuge haben sich geändert, die Funktion nicht

Am 19. August 2026 kündigte das US-Finanzministerium an, seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen deutlich auszuweiten – von zuvor rund 2 Milliarden auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation, ab dem 9. September 2026. Noch am selben Tag fiel die Rendite der 30-jährigen Anleihe von 5,26 % auf bis zu 5,18 % zurück. 1942 war es die Fed, die mit einem Zinsdeckel die langfristigen Zinsen künstlich niedrig hielt. Heute ist es das Finanzministerium selbst, das mit gezielten Rückkäufen in dieselbe Richtung wirkt. Historisch wurden große Staatsschulden selten im eigentlichen Sinne zurückgezahlt – meist wurden sie gestrichen oder über Zeit weginflationiert. Die Last verschwand dabei nie wirklich, sie wurde nur verschoben: auf diejenigen, die ihr Vermögen in nominal fixierten Werten hielten.

Große Gläubiger scheinen diese Geschichte zu kennen – Chinas anhaltende Goldkäufe lassen sich auch als Versuch lesen, nicht erneut auf der Verliererseite zu stehen. In Phasen, in denen Geld an Wert verliert, verschiebt sich Vermögen tendenziell in Anlagen, deren Angebot nicht beliebig vermehrbar ist. Dazu zählen klassisch Gold und Silber – und, mit denselben Grundeigenschaften begrenzten Angebots und laufender Erträge, eine gut strukturierte Kapitalanlage-Immobilie: etwa mit Denkmal-AfA nach §7i EStG oder als Pflegeimmobilie als Kapitalanlage. Mehr zum Zusammenhang zwischen Notenbank-Anleihenkäufen und Kaufkraftverlust auch in unserem Beitrag zu Japans 13-jähriger Erfahrung mit finanzieller Repression.

Das letzte Wort gehört Adam Smith

"Kaum ein Beispiel, dass Staaten hohe Schulden je fair zurückgezahlt haben"

Schon 1776 schrieb Adam Smith, dass es kaum ein Beispiel dafür gebe, dass Staaten hohe Schulden jemals vollständig und fair zurückgezahlt hätten. Die Befreiung komme fast immer über eine Form der Zahlungsunfähigkeit – manchmal offen erklärt, meist aber getarnt hinter dem Anschein regulärer Rückzahlung. 40 Billionen Dollar später ist dieses Beispiel, das Smith suchte, noch immer nicht gefunden.

FAQ zu diesem Artikel

Häufige Fragen

Wie hoch ist die US-Staatsschuld aktuell?
Die US-Staatsschuld hat am 19. August 2026 laut US-Finanzministerium erstmals die Marke von 40 Billionen US-Dollar überschritten. Zum Vergleich: 2017 lag sie bei rund 19,95 Billionen Dollar — eine Verdopplung innerhalb von etwa neun Jahren.
Was ist finanzielle Repression?
Finanzielle Repression bezeichnet eine Kombination aus künstlich niedrig gehaltenen Zinsen und höherer Inflation, mit der ein Staat seine reale Schuldenlast senkt, ohne offiziell in Zahlungsverzug zu geraten. Sparer, die ihr Geld in festverzinslichen Anlagen oder auf dem Sparkonto halten, verlieren dabei real an Kaufkraft.
Ist die USA schon einmal so aus hohen Schulden herausgewachsen?
Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die US-Schuldenquote von 106 % (1946) auf 23 % (1974) des BIP. Eine IWF-Studie von Julien Acalin und Laurence Ball (2024) rechnete nach: Ohne gedeckelte Zinsen und überraschend hohe Nachkriegsinflation wäre die Quote nur auf rund 74 % gefallen — der Großteil des Rückgangs kam also aus finanzieller Repression, nicht aus Wachstum allein.
Was macht das US-Finanzministerium aktuell mit den Anleihenkäufen?
Am 19. August 2026 kündigte das US-Finanzministerium an, seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen von rund 2 auf mindestens 4 Milliarden Dollar pro Operation zu verdoppeln, ab dem 9. September 2026. Die Rendite der 30-jährigen Anleihe fiel am selben Tag von 5,26 % auf bis zu 5,18 %.

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Eigene Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Berichte (u. a. Reuters, CNBC, Bloomberg, IWF Working Paper 2024/005 von Acalin & Ball) und aktueller Aussagen von Scott Bessent, Stand 21. August 2026. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.

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